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2010 - Hajk auf Mallorca
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Silvester bei 20 Grad

Eine kleine Gruppe vom Homberger Pfadfinderstamm Hratuga wollte diesen Winter nicht wie gewöhnlich im der Eifel oder dem Sauerland ihren traditionellen Schneehajk durchführen, sondern hatten sich was ganz besonders ausgedacht.
Daniel Kim und Robert sind für 8 Tage auf die schöne Ferieninsel „Mallorca“ geflogen, um dort zu wandern.

Unser Flieger ging am 29. Dezember abends auf die schöne Baleareninsel Mallorca. Wir starteten im schneebedeckten Deutschland und landeten kurze Zeit später auch schon im warmen Palma.

Es waren noch spätabends 15 Grad und man entledigte sich
der warmen Sachen. Wir buchten uns einen geeigneten Mietwagen, mit dem wir am darauf folgenden Tag die Insel erkunden wollten. Mit Rucksack und Wanderstock hätten wir das wohl nicht in 8 Tagen geschafft.

Wir wollten uns ein paar Lebensmittel kaufen, aber der Supermarkt öffnete erst um 10 Uhr. Das war zu spät.
Um die wenige Zeit zu nutzen fuhren wir zu unserem ersten Ziel: die Stadt „Pollença“ im Norden der Insel. Dort gibt es eine Treppe mit 365 Stufen, welche zu einer alten Kirche führt. Man sagt. „“Wer diese Stufen am Jahresende heraufgeht bekommt seine Sünden des letzten Jahres vergeben“.  Oben angekommen hatten wir einen unglaublichen Ausblick über Mallorca. Die hohen Berge, die verwinkelten Gassen mit den roten Dächern und dem blauen Meer im Hintergrund. In Pollença konnten wir auch Essen und Trinken für die nächsten Tage einkaufen.

Weiter ging es zum Nördlichsten Punkt der Insel, man nennt es „Cap de Formentor“. Es ist dort sehr bergig und man bekommt eine unvergessliche Landschaft zu sehen. Vielleicht verbindet man Mallorca nur mit dem „Ballermann“, doch diese unglaublich schöne Landschaft hat fast sogar mehr Berühmtheit verdient. Unser letztes Ziel am Tag war eine Tropfsteinhöhle im Osten der Insel. Zuerst waren wir unsicher, 10 Euro für eine 30-minütige Führung zu bezahlen, doch als wir in den riesigen Höhlen standen, wo riesige Zacken aus der Erde ragten und an der Decke hingen, waren wir schnell überzeugt. Jeder „Raum“ hatte seine Besonderheiten und mit Musik und Lichteffekten wurden die Besonderheiten der Höhle erst richtig hervorgehoben.

An diesem Abend suchten wir uns eine Wiese um dort unser Zelt aufzubauen. (Da es im Mallorca fast keine offiziellen Campingplätze gibt, darf man auf nicht privaten Grundstücken zelten). Wir machten uns auf die Suche, doch mussten wir bemerken dass die ganze Insel von Finkas mit riesigen umzäunten Gärten übersät ist. Normalerweise kochen wir auf unseren Wanderungen auf Feuer. Da es auf Mallorca jedoch wenig Feuerholz und strengere Gesetze gibt, haben wir uns für kleine Spiritus-Kocher entschieden, die es uns ermöglichen ohne offenes Feuer, fast überall zu kochen. Am 31. Dezember wollten wir uns die Hauptstadt ansehen und uns auf unsere Wanderung vom 1. bis zum 6. Januar vorbereiten.

Als erstes mussten wir aber unseren Mietwagen zurück bringen. Für die Silvesternacht suchten wir uns ein Hostel (Eine günstige Herberge). Obwohl viele Jugendherbergen und Hostels geschlossen waren, wurden wir dennoch in der Nähe der Kathedrale fündig. Die Kathedrale ist das gewaltigste Gebäude der Stadt und sehr imposant.. Am Tage ruhten wir uns noch ein wenig aus, damit wir für die lange Nacht fit waren. Aber die Mallorquiner feiern anders Sylvester. Wir sahen in keinem Laden Raketen oder Böller, genauso ist auch das Riesen-Feuerwerk ausgefallen. Es gab nur vereinzelt ein paar Raketen. Nichts im Vergleich zu Deutschland. In einem Park gab es unser Sylvester-Schoko-Fondue auf einer Wiese im Freien. Es war noch so warm dass wir noch nicht mal eine Jacke brauchten.
Unser Plan für den 1. Januar war es, in den Nationalpark Serra de Tramuntana zu gelangen, was wegen dem Feiertag nicht grade einfach war. Es gab keinen gedruckten Fahrplan der Fernbusse. Nach einigen Fehlinformationen gelangten wir dann doch vom unterirdischen Busbahnhof am „Plaza de Espana“ nach Soller, wo unsere Wanderung beginnen sollte.(Der Bus kostete 3 ¤ für 20 min Fahrt und 30 Km). Wir hatten keine feste Route geplant, sondern Gingen einfach los. Bis zum Abend schafften wir noch 150 Höhenmeter und schlugen dann irgendwo unser Zelt auf. An diesem Abend sollte es Couscous mit Tunfisch, Mais und Erbsen geben. Leider ist der Geschmack des Leitungswassers nicht gut, so dass wir im Supermarkt unser Wasser kaufen mussten. Unser Frühaufsteher Daniel erklärte sich bereit die 30 Minuten in die Stadt zurückzulaufen um uns 8 Liter Wasser zu kaufen (1,05 ¤), er brachte uns noch frisches Baguette und Wurst mit, Wir wussten, dass der Tag hart werden würde, denn wir wollten auf 800 m über dem Meeresspiegel, zusätzlich hatte jeder 20 kg auf dem Rücken.

Unsere Karte wies uns den Weg rein ins Gebirge. Die Wanderwege waren wesentlich schlechter markiert als wir es von Deutschland gewohnt waren. Wir liefen den ganzen Tag. Streckenweise 45°-Steigungen hinauf. Die Sonne schien und es war sehr angenehm (20 Grad). Wir kamen immer höher und höher, da es aber schon um 18 Uhr dunkel wurde, suchten wir uns rechtzeitig eine schöne Übernachtungsgelegenheit. Es wurde wirklich kalt und es war die einzige Nacht in der ich meinen dicken Pullover herausholen musste. Nachts war es 5 Grad, nicht zuletzt aufgrund der enormen Höhe. Es war eine sternenklare Nacht. Allerdings bekamen wir nicht den gewohnten Sternhimmel zu sehen, sondern die Sternbilder waren verschoben, wo wir uns erstmal zurecht finden mussten. Nachts war es absolut still. Das war ein sehr merkwürdiges Gefühl. Am nächsten Morgen entschieden wir uns, nicht weiter den Berg hinauf zu laufen sondern wieder bergab nach Port de Soller. Die schlecht bis gar nicht markierten Bergwanderwege waren ein Grund dafür, genauso wie der Trinkwassermangel und die extremen Anstrengungen. Auf den Weg nach Port de Soller kauften wir ein und entschieden uns in einer Pizzeria zu Abend zu essen. Dennoch brauchten wir an dem Abend noch einen Zeltplatz, wir liefen von Port de Soller in Richtung Leuchtturm, wo wir auf dem Weg dorthin einen wunderschönen Ausblick auf das nächtliche Port de Soller hatten. Weil es schon dunkel war, wollten wir dort schlafen. Doch als wir unser Zelt aufbauen wollten, bemerkten wir dass wir in den Steinboden keine Heringe hinein bekommen würden. Aufgrund dessen entschieden wir, uns nur in die Planen einzuwickeln, weil es bisher noch nicht geregnet hatte. Genau in dieser Nacht wurden wir vom Regen überrascht und die Planen und Teile unserer Schlafsäcke wurden nass. Da wir so nicht weiter laufen konnten, mussten wir unsere Sachen zuerst trocknen. Der nächste Tag war dafür auch perfekt. Es war schön warm und die Sonne schien. Als unsere Sachen trocken waren, liefen wir weiter zum Leuchtturm, wo ein „Refugio“ für Wanderer ist. Obwohl wir an diesem Tag noch nicht viel gelaufen waren, fragten wir nach einem Bett in dem „Refugio“. er unschlagbare Preis von 8,80 ¤, statt 11 ¤, für Pfadfinder ließ uns nicht lange überlegen. Wir bekamen 3 Betten in einem großen Schlafsaal und eine Dusche, die wir auch sofort nutzten.

Diesen Tag ließen wir ruhig angehen. Wir suchten uns einen gemütlichen Platz nahe der Herberge, um dort unser Mittagessen zu kochen. Dies war mit Abstand der schönste Platz, den wir bisher zum Kochen gefunden hatten. Wir saßen in einer kahlen Felslandschaft auf einem warmen Felsen mit Blick aufs Meer. Genauso ließen wir den Tag auch ausklingen, wir saßen im Kaminzimmer des Refugios und quatschten ein wenig über die vergangenen Tage und über die Planung des folgenden Tages. Die Nacht war herrlich, ruhig, sehr gemütlich, aber am nächsten Morgen weckte uns der Wecker der anderen Wanderer schon um 7 Uhr, Wir schliefen wieder ein und standen um 9 Uhr auf. Die heutige Route war die flachste in unserem Reiseführer, so dass wir eine ebene Strecke erwarteten. Doch Pustekuchen.!  Wir liefen die Küstenroute südwärts Richtung Deia und es ging auf und ab. Die Strecke war wunderschön, es war nicht mehr warm, wie die letzten Tage und die Aussicht war abwechslungsreich, wir kamen durch viele kleine Dörfer, Orangenplantagen und sogar Wälder, welche sehr den unseren ähnelten immer mit dem Mittelmeer im Hintergrund. Kurz vor Deia (einer früheren Künstlerstadt) mussten wir noch einmal richtig die Berge rauf. Langsam kamen wir an unsere Grenzen. Die letzten Tage steckten noch in unseren Knochen und der Berg nahm kein Ende. Nach dem einstündigen Aufstieg und 300 Höhenmetern waren wir endlich in dem kleinen überschaubaren Dorf Deia.

Wir setzten unsere Rucksäcke ab und Daniel und ich suchten sofort einen Supermarkt wo wir unserer Abendessen kaufen konnten, denn wir hatten Hunger und fast nichts mehr im Gepäck. Kim ließen wir bei den Rucksäcken. Durch unseren guten Wanderführer fanden wir schnell den Laden und kauften Nudeln mit Soße ein. Als kleine Besonderheit kauften wir noch ein Paket Eis, welches wir auch nach unserer Rückkehr sofort verputzten. Danach besprachen wir den Plan des restlichen Tages. Wir hatten bereits Nachmittag und das Wetter schien immer schlechter zu werden. Dazu hatten wir durch Zufall ein deutsches Gespräch gehört, dass morgen ein Feiertag sein sollte. Wir dachten nach und bemerkten dass wir heute schon den 5. Januar hatten und der 6. in Spanien wohl ein Feiertag ist. Nach unserer schlechten Erfahrung mit dem Bus am 1. Januar (1 Bus pro Tag) wollten wir auf Nummer sicher gehen und den letzten Bus nach Palma nehmen, um heute noch zum Flughafen zu gelangen, damit wir morgen früh einchecken konnten und den Tag noch frei zur Verfügung zu hatten. Wir kochten uns die Nudeln mit Soße und nahmen dann den letzten Bus in Richtung Palma. Es war schon dunkel und die Küstenstraße sehr kurvig, aber wir vertrauten dem Busfahrer, was anderes blieb uns auch gar nicht übrig. Spät abends kamen wir am Flughafen an und erkundigten uns wann wir einchecken konnten. Ab 6 Uhr morgens antwortete der Air Berlin Mitarbeiter.
Am nächsten Morgen gaben wir zeitig unser Gepäck ab und überlegten, zum „Ballermann“ zu fahren. Der war direkt hinter dem Flughafen und es fuhr sogar ein Bus direkt zur „Plaja de Palma“ . Wir stiegen ein und 20 Minuten später waren wir schon da. Riesige Hotels und ein riesiger Strand. Wir gingen zum Balneario 6. Dort suchten wir ein Restaurant wo wir Mittag Essen wollten. Das Wetter war wunderbar. 25 Grad. Stahlend blauer Himmel nur etwas zu windig. Wir bestellten uns Burger mit Pommes und setzten uns dann an den Strand und tranken erstmal einen kalten Sangria. Hinter der riesigen Stadt Palma sahen wir die riesigen Berge und wir wussten jetzt, dass Mallorca mehr als nur der „Ballermann“ ist. Abends ging wie geplant unser Flieger zurück ins winterliche Düsseldorf und einer der abwechslungsreichsten „Hajks“ (Wanderungen) die wir je gemacht hatten, war zu Ende.


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